Archiv für Juni 2012

Tagesmütter sehen sich als Lückenbüßer | WESER-KURIER

Bremen. Sie fühlen sich oftmals als die Lückenbüßer, die Betreuung zweiter Klasse anbieten. Doch Tagesmütter und -väter sollen besser gestellt werden. Nicht zuletzt, weil die Politik sie braucht, wenn der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz im kommenden Jahr überhaupt gesichert werden soll. Aber auch, um die Arbeit der Frauen und Männer zu wertschätzen.

Wenn ihre „Kletterknirpse“ morgens kommen, hat Heike Gronert schon einen Teil ihrer Arbeitszeit hinter sich, das Essen vorbereitet, vom Vortag aufgeräumt, Schreibkram für die Behörden erledigt. „Wir kommen locker auf eine 50-Stunden-Woche“, sagt die Bremerin, die seit bald 30 Jahren als Tagesmutter vorwiegend Kinder im Krippenalter betreut.

Sie gehört damit zu den 340 Tagesmüttern und -vätern, die derzeit gut 1000 Kinder in Bremen versorgen. Manche fünf Tage die Woche, je acht Stunden lang, einige nur morgens oder nachmittags, ganz flexibel nach Wunsch der Eltern. Das ist ein Aspekt, den die offiziell als Tagespflegepersonen geführten Frauen und wenigen Männer wie Heike und Jörg Gronert, Gabi Onesseit, Angelika Hofmann und Gabriele Geyer bei einem Aktionstag der Arbeitsgemeinschaft Tagesmütter und Tagesväter am 13. Juli herausstellen möchten. „Wir wollen zeigen, was wir leisten, und dass das gute Arbeit ist“, sagt Heike Gronert.

Die Rolle der Tagesmutter hat sich verändert. „Die Mutti, die neben Wäschewaschen und Kochen ihre eigenen Kinder und noch ein paar weitere betreut, gibt es nicht mehr“, betont Angelika Hofmann. Eine qualifizierte Ausbildung, oft jahrelange Erfahrung gerade mit kleinen Kindern unter drei Jahren, große Flexibilität und viel Einsatz sind Pfunde, mit denen sie wuchern möchten. Nicht etwa, weil ihr Betreuungsangebot zu wenig nachgefragt wird. Im Gegenteil: die Tagespflege – das hat auch Familienministerin Kristina Schröder in ihrem jüngst vorgestellten Zehn-Punkte-Programm zum Ausbau des Betreuungsangebots für Kleinkinder deutlich gemacht – bekommt mit dem Rechtsanspruch von Eltern auf einen Krippenplatz für ihr Kind ab August 2013 eine neue Bedeutung.

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Linksfraktion Bremen: Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Betreuungsschlüssel in Bremen irreführend

Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Betreuungsschlüssel in Bremen irreführend

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte neue Zahlen zum Betreuerinnen-Kind-Verhältnis in Kindertageseinrichtungen für das Jahr 2011. Danach nimmt Bremen nach dem Saarland den zweiten Platz ein. Für Bremen wird für Kinder von null bis zwei Jahren ein Betreuungsschlüssel von 3,3 Kindern pro pädagogische Kraft angegeben. Als Bundesdurchschnitt wurde ein Betreuungsschlüssel von 4,7 errechnet.

„Dieser Betreuungsschlüssel wäre traumhaft, wenn er wirklich so wäre“, kommentiert Cindi Tuncel, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. in der Bremischen Bürgerschaft, diese Statistik. „In der Realität ist dieser Schlüssel aber irreführend. Wenn es tatsächlich solch ein Betreuungsverhältnis gäbe, hieße es ja bei einer Krippengruppe mit zehn Kindern, dass dort drei Erzieherinnen anwesend wären. Tatsächlich wird es schon jetzt an einigen Stellen schwierig, die Anwesenheit von zwei Fachkräften sicherzustellen“, so Tuncel weiter.

Auch der Personalrat von KiTa Bremen wundert sich über die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Er sei noch auf der Suche nach einer Krippengruppe mit einer solchen Ausstattung, meinte dieser gegenüber der Linksfraktion.

„Eine gute Qualität und ein ausreichendes Angebot frühkindlicher Bildung begrüßen wir natürlich, denn sie sind eine wichtige Startvoraussetzung für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe. Bisher gibt es sehr unterschiedliche Angaben dazu. Wenn wir aber keine vernünftige und einheitliche Datengrundlage haben, wissen wir auch nicht, was noch gemacht werden muss. Daher haben wir eine Große Anfrage eingereicht, um endlich die tatsächlichen Zahlen herauszubekommen“, erläutert Tuncel.

Information:
Für Kinder von null bis drei Jahren werden pro Kind 11,65 Wochenstunden für einen Ganztagsplatz berechnet. Bei acht Kindern ergibt das 93,2 Wochenstunden. Davon müssen jedoch 10,12 Prozent für Vor- und Nachbereitung sowie durchschnittlich rund 10 Prozent für Krankheit und Urlaub abgezogen werden.

Wird dies berücksichtigt, so ergibt sich ein Personalschlüssel von 74,56 Stunden pro Ganztagsgruppe. Das bedeutet, dass 80 Wochenstunden, die durch die Anwesenheit von zwei Fachkräften bei einer 40-stündigen Ganztagsbetreuung 5 mal 8 Stunden bedeuten würden, noch unterschritten werden.

Zwei Fachkräfte pro Krippengruppe wäre bei einer Gruppe mit acht Kindern ein Betreuungsschlüssel von 1:4, also schon schlechter als der Schlüssel 1:3,3, wie ihn das Statistische Bundesamt angibt. Da jedoch auch dieser nicht ganz erreicht wird, ist der faktische Betreuungsschlüssel noch ein wenig schlechter.

Die Große Anfrage „Betreuung unter 3-jähriger Kinder im Land Bremen: Entwicklung, Stand und Ausbauplanung“ wurde am 20. Februar 2012 von der Fraktion DIE LINKE eingereicht. Sie hat die Drucksachen-Nummer 18/250 und wird voraussichtlich bis zum 26. Juni 2012 vom Senat beantwortet.

via Linksfraktion Bremen: Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Betreuungsschlüssel in Bremen irreführend.